WILDBERG/NAGOLD. In knapp drei Wochen steigen Jugendliche in Russland, China, Japan, Paraguay und den USA ins Flugzeug. Alle mit dem selben Ziel: Sie haben sich als Teilnehmer bei der 29. Sommermusik im Oberen Nagoldtal angemeldet und werden die Zeit zwischen dem 2. und 18. August im CJD Jugenddorf in Nagold verbringen, musizieren und Konzerte geben.

Mehr als 90 Kinder und Jugendliche aus der ganzen Welt reisen mit ihren Instrumenten an, um diese besondere Woche mitzuerleben. Auch Musikschüler aus Wildberg und Nagold werden mit dabei sein. International trifft regional. Alle bekommen die seltene Chance von namhaften, berühmten Künstlern zu lernen.

Der international bekannte Solist und Geiger Vadim Gluzman aus Chicago ist einer von ihnen. Er bietet einen Meisterkurs für Violine an – seinen einzigen in Europa. Der Ausnahmegeiger und Dirigent Thomas Zehetmair – Sohn des Begründers der Sommermusik - wird in Wildberg zusammen mit seiner Frau Ruth Killius den jungen Musikern und Konzertbesuchern einen besonderen Konzertgenuß bieten. Darauf sind die Veranstalter, die Städte Wildberg und Nagold, sehr stolz. Ebenso auf die Entwicklung, die die Sommermusik im Laufe der vielen Jahre genommen hat. „Früher waren die Konzerte der Sommermusik nur unter Kunst- und Kulturkennern bekannt“, sagt Wildbergs Bürgermeister Ulrich Bünger. „Heute ist in der Bevölkerung angekommen, dass man kommen und die schöne Musik genießen kann, ohne vom Fach sein zu müssen“, ergänzt Nagolds Finanzbürgermeister Hagen Breitling. Und so werden die Auftritte der Dozenten und ihrer Schüler von Jahr zu Jahr beliebter.

Kein Wunder, wer einmal erlebt hat, wie Kinder und Jugendliche mit andächtig geschlossenen Augen Melodien großer Komponisten interpretieren, ohne auch nur einmal in die Notenblätter sehen zu müssen, dürfte beeindruckt sein. Aber nicht nur das Publikum entwickelt eine Liebe zur Sommermusik. Frühere Teilnehmer kehren heute als Dozenten zurück ins CJD nach Nagold. Sie machten aus ihrer Leidenschaft ihre Berufung und geben ihre Erfahrung nun weiter an die möglicherweise großen Musiker von Morgen. Wie es bereits andere Dozenten vor ihnen taten. Die Nachwuchs-Instrumentalisten sollen so auch Einblicke in die Welt der Profimusiker bekommen.

Richtet man den Blick in die Vergangenheit, auf die erste Sommermusik vor knapp 30 Jahren, lässt sich eine stetige Entwicklung erkennen. Gerade einmal drei Dozenten nahmen sich damals dem lernwilligen Nachwuchs an. Heute sind es 21. Und die lassen sich nie lange bitten, ganz im Gegenteil. „Viele fragen bei mir an, ob sie kommen dürfen“, so die Organisatorin und künstlerische Leiterin, Adelheid Kramer. Sie war es, die die Sommermusik mit dem Salzburger Violin-Professor Helmut Zehetmair ins Leben gerufen hat. Und sie ist bis heute ihr Kopf und ihr Herz.

„Wir möchten die Sommermusik aus unseren Städten nicht mehr wegdenken“, sind sich Bünger und Breitling einig. Vor allem, weil inzwischen auch die Kinder und Jugendlichen aus den eigenen Musikschulen profitieren, selbst wenn sie nicht offiziell teilnehmen. Gegen eine kleine Gebühr können sie sich für Schnupperstunden bei einem der Dozenten anmelden.